„Wir haben was zu bieten, was sonst keiner hat.“

Okt 4, 2023 | Themen

Im Gespräch mit Oliver Geischberg

Oliver Geischberg ist in den Wertachtal-Werkstätten in Füssen tätig. Der 53-jährige kennt die Werkstatt seit ihrer Eröffnung. Das war 2013. Eigentlich arbeitet er in der Montage-Gruppe. Drei Tage die Woche verbringt er aber im Praktikum: In der Haustechnik der Klinik Füssen. In der Werkstatt besucht er außerdem kreative Gruppenangebote. Seine Werke waren schon in Ausstellungen zu sehen.

Wie haben Sie die ersten Tage miterlebt?

Am ersten Tag war Chaos: Der Rasen war nicht gemäht. Überall ist Unkraut gewachsen. Es gab Ameisen. Und wir hatten kein Werkzeug. Ständig haben Zangen gefehlt. Die komplette Ausstattung hat noch gefehlt.

Der damalige Zustand hatte mit einer Werkstatt wenig zu tun. Der Zaun war verrostet. Und wir haben erst mal den Stacheldraht weggemacht. Über das Gelände sind noch alte Schienen verlaufen.

Am Anfang gab es auch keine Küche. Da sind wir immer in ein Altenheim in der Nähe zum Essen gegangen. Die Küche kam erst mit dem großen Anbau.

Wie erleben Sie die Werkstatt heute?

Jetzt ist der große Speisesaal da. Das ist alles sehr schön. Der Teich im Garten und die großen Fenster. Es ist toll, dass die Leute von außen kommen und es ein tolles Frühstück gibt. Mit dem Café Werkgeplauder haben wir was zu bieten, was sonst keiner hat.

Was gefällt Ihnen am Standort?

Man sieht die Berge. Manchmal ist eine Schafherde nebendran. Die Atmosphäre ist ziemlich gut. Es gibt lauter nette Menschen. In der Werkstatt und in der Praktikumsstelle in der Klinik Füssen. Dass ich mich wohlfühle, hat auch was mit Füssen an sich zu tun. Füssen ist einfach schön als Stadt.

Wie oft sind Sie im Praktikum?

Eigentlich bin ich nur zwei Tage die Woche in der Werkstatt. Nur Dienstag und Donnerstag. Dort mache ich in der Montage-Gruppe das, was grade ansteht. Viel Schleifen und Schreiner-Arbeiten. Zurzeit Pappdeckel-Schachteln falten.

Die anderen Tage bin ich in meinem Praktikum in der Klinik Füssen. Ich arbeite in der Haustechnik. Da bilden sich gute Beziehungen. Wenn man 10 Jahre da ist, kennt man die Verhältnisse und die Leute. Man weiß, dass man mit denen gut zurechtkommt.

Was ist für Sie das Besondere an den Werkstätten?

Man kann an verschiedenen Gruppen teilnehmen. Wenn man möchte. Zum Beispiel an der Wandergruppe, der Pferdegruppe oder der Malgruppe.

Ich finde es gut, dass Leute von draußen reinkommen. Zum Beispiel der Maler Peter Jente, der schon Malkurse gemacht hat. Oder der Fotograf Simon Toplak. Es ist interessant, wenn man Leute kennenlernen kann, die kreativ und künstlerisch sind. Ich interessiere mich für Künstler. Und es ist gut, wenn man kreative Dinge machen kann. Das bringt Abwechslung.

Wo konnten Sie Ihre eigenen Werke zeigen?

Insgesamt gab es schon vier Ausstellungen. In Zusammenarbeit mit dem Walderlebniszentrum Füssen sind einige der Werke entstanden. Ich habe mich mit bestimmten Pflanzen beschäftigt: Da sind nicht nur Bilder entstanden, sondern auch Erklärungen über die botanische Seite. Oder mit der Königsfamilie in den Bergen. Die Werke wurden im Festspielhaus Füssen gezeigt. Und zweimal im Walderlebniszentrum.

Zuletzt habe ich Fotos vom Urlaub in Triest an der Adria mit nach Hause gebracht. Wir haben sie auf Leinwand drucken lassen. Beim Italienischen Abend im Café Werkgeplauder wurden sie gezeigt. Sie hängen jetzt im Eingangsbereich der Werkstatt. Es ist eine Dauerausstellung.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude bei Ihrer Arbeit. Und für Ihre Zukunft alles Gute!

Wertachtal-Werkstätten gGmbH feiert Jubiläum

Vor 50 Jahren wurde die Wertachtal-Werkstätten gGmbH in Kaufbeuren gegründet – seit 10 Jahren gibt es ihren Standort in Füssen. Aufgrund dieses Jubiläums lädt die Organisation zum Tag der offenen Tür ein: Am 6. Oktober von 14:00 bis 17:00 Uhr in den Wertachtal-Werkstätten Füssen, Hiebelerstraße 17.

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