WERKTON – Musik, die verbindet

Sep. 17, 2025 | Themen

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Montagmorgen in der Füssener Werkstatt der Wertachtal-Werkstätten: „Alle fertig? Alle bereit?“ ruft Bassist Woffl. Der Bass dröhnt, zweistimmiger Gesang setzt ein und „Stumblin’ in“ füllt den Raum. Neben mir spielt Manuela ihre „Luftgitarre“, zeigt Breaks (kurze Unterbrechungen in der Musik) an und wippt begeistert im Takt. Auch nach vielen Jahren des gemeinsamen Musikmachens taucht manchmal noch die Frage auf: „Wie hören wir da nochmal auf?“ – also von vorne beginnen, das Ende üben. So ist das eben, wenn man zusammen Musik macht.

Im Publikum sitzt heute Dominik aus der Förderstätte und applaudiert begeistert. Fast nie vergeht eine Probe ohne Publikum. Irgendjemand hat immer Lust, sich von WERKTON mitreißen zu lassen.

Acht Jahre Bandgeschichte

Seit acht Jahren gibt es die inklusive Band jetzt schon. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung stehen hier gemeinsam auf der Bühne. „Uns gibt es schon lang“, sagt Schlagzeuger Stefan, „wir proben jeden Montag“, ergänzt Kristin, die immer weiß, was als Nächstes gespielt werden soll.

Außer ihnen gehört noch Bastian zur Band, der nicht in den Wertachtal-Werkstätten arbeitet. Er hat die Band bei einem Auftritt gesehen hat und war sofort begeistert. Seitdem ist er dabei, rappt und spielt Cajon. Außerdem gibt es noch Marlene, Sängerin und Tambourinspielerin, Herrn Schnitzer am Keyboard sowie Dagmar (Keyboard und Gesang), Peter (Gitarre und Gesang) und manchmal ist noch Rauchi mit seiner Gitarre dabei.

„we-Reggae“ – mehr als ein Song

Besonders stolz ist die Band auf ihren ersten selbstgeschriebenen Song: „we-Reggae“. „Der Song ist cool“, sagt Kristin, und lacht. Im Publikum klatscht Dominik im Takt, Manuela strahlt vor Vorfreude. Woffl blickt in die Runde: „Are you ready girls and boys?“ – „Yes, we’re ready!“, schallt es geschlossen zurück. Dann legen sie los: eine groovige Nummer mit bluesigem Gitarrensound, getragen von Bass und Schlagzeug, voller Energie und Lebensfreude.

Doch „we-Reggae“ ist mehr als ein Ohrwurm. Er bringt die Botschaft von WERKTON auf den Punkt: Gemeinschaft, Teilhabe, Vielfalt. „Dazugehören, das macht Spaß. Wenn wir was machen, geben wir Gas!“ singen sie mit einer Überzeugung, die keinen Zweifel lässt: Hier spielen Menschen, die meinen, was sie sagen.

Eine kurze, aber intensive Zeit mit den Athlet*innen aus Aruba

Was bedeutet euch die Band?

Auf die Frage, wie es ist, gemeinsam Musik zu machen, kommt die Antwort ohne Zögern: „Ein schönes Gefühl auf jeden Fall“, sagt Kristin. „Schönes Gefühl“, findet auch Stefan. Dominik ruft „Yeaaah!“ aus dem Publikum, Manuela nickt: „Ja, ja.“
„Es macht Spaß, und die Auftritte sind etwas Besonderes und Schönes“, ergänzen Dagmar und Woffl. Sie erzählen, dass ihre Auftritte immer wieder spannend sind, da viele Menschen anfangs nur geringe Erwartungen hätten, um dann umso überraschter festzustellen, wie toll ihre Musik ist.
Woffl bringt es auf den Punkt: „Du kannst mit oder ohne Beeinträchtigung Musik machen. Das spielt eigentlich keine große Rolle. Wenn man eine gewisse musikalische Fertigkeit hat, funktioniert das super. Da kann hier jede*r seinen Platz finden und gemeinsam etwas Tolles entstehen.“ Kristin stimmt sofort zu: „Da hast du vollkommen recht.“

Musikalische Vielfalt und Haltung

Das Repertoire von WERKTON ist breit gefächert: „Wir spielen Rock- und Pop-Covers, so ganz gemischt“, beschreibt Woffl. Selbst AC/DC steht auf der Setlist: „Highway to hell“ sorgt für ordentlich Stimmung. Jede*r in der Band hat seine Lieblingsstücke: Kristin liebt „we-Reggae“, „Josephine“, „Expresso Tschianti“ und „Let’s twist again“. Manuela mag alles mit Gitarre, was richtig abgeht. Stefan schwört auf
„Let it be“ von den Beatles, bei Woffl steht „Carbonara“ ganz oben und Dagmar mag besonders „Ein Kompliment“.

Für die Band ist klar: Sie sind nicht nur Musiker*innen, sondern auch Botschafter*innen. „Wir wollen der Welt da draußen zeigen, dass inklusives Musikmachen – im wahrsten Sinne des Wortes – rockt“, sagt Dagmar. Auftritte außerhalb der Lebenshilfe sind ihnen dabei besonders wichtig.

Eine kurze, aber intensive Zeit mit den Athlet*innen aus Aruba

Auftritte, die in Erinnerung bleiben

Von großen Bierzelten über Stadtfeste bis hin zu einmaligen Veranstaltungen – WERKTON spielt überall. Besonders in Erinnerung: der Auftritt bei unter zehn Grad zur Einweihung einer Supermarktfiliale. „Es war grenzwertig, aber wir haben’s durchgezogen“, lacht Woffl. Auch kreative Auftritte gehören dazu: Beim „Weihnachts-Stadl“ in der Füssener Altstadt gab es zwar keine reinen Weihnachtslieder, aber jede Ansage wurde in ein festliches Gewand gepackt. „Highway to hell“ haben wir da aber lieber ausgelassen“, grinst Dagmar.

Nächster Stopp: Lechrauschen Festival

Wer WERKTON live erleben möchte, kann sich den 20./21. September vormerken: Dann steht die Band beim Füssener „Lechrauschen Festival“ auf der Bühne. Und vielleicht erklingt dann auch wieder „we-Reggae“ – der Song, der wie kein anderer für ihre Botschaft steht: „Dazu-gehören, das macht Spaß!“

Eine kurze, aber intensive Zeit mit den Athlet*innen aus Aruba
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