Von Usbekistan ins Allgäu:Wie Jon seinen Platz bei der Lebenshilfe gefunden hat

Abdullajon Solijonov – genannt Jon macht seit März 2025 einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren.
Abdullajon Solijonov – genannt Jon – ist 22 Jahre alt, kommt aus Usbekistan und macht seit März 2025 einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren. Im Interview erzählt er von seinem Weg nach Deutschland, seinem Arbeitsalltag im Wohnheim Alte Poststraße, von anfänglichen Herausforderungen und warum die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung für ihn ein echter Traumjob ist.
Wie bist du auf die Idee gekommen, einen BFD in Deutschland zu machen?
Jon: „Ich habe mit 20 Jahren in Usbekistan angefangen, Deutsch zu lernen. Irgendwann bin ich im Internet auf die Möglichkeit gestoßen, einen BFD zu machen. Über die Organisation ICE (Initiative Christen für Europa) habe ich mich dann beworben und das Interview gleich auf Deutsch geführt. Das war gar nicht so schwierig!“
Jon hat sich für die Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren entschieden, obwohl er vorher noch nie im sozialen Bereich gearbeitet hatte. „Ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren und jetzt bin ich hier!“
Wie war dein Start in Deutschland?
Jon: „Am Anfang war es schon eine Umstellung. Ich hatte zwar Deutsch gelernt, aber das war Hochdeutsch und plötzlich war ich in Bayern!“ (lacht) „Aber das Einführungsseminar in Dresden hat mir geholfen. Dort habe ich auch andere Freiwillige kennengelernt, zum Beispiel zwei aus Bolivien. Eine von ihnen arbeitet sogar auch hier, im Wohnheim Hans-Böckler-Straße in Kaufbeuren. So war ich nicht ganz allein.“ Insgesamt arbeiten 12 internationale Freiwillige bei der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren.
In Kaufbeuren lebt Jon in einer WG mit drei anderen Freiwilligen, die von der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren gestellt wird. „Die Wohnung liegt super: nah am Bahnhof und zur Arbeit. Und wir bekommen ein Taschengeld. Kein richtiges Gehalt, aber es reicht, da wir keine Miete zahlen müssen.“
Was macht deine Arbeit im Wohnheim Alte Poststraße so besonders?
Jon: „Ich arbeite in Gruppe 1 mit neun Bewohner*innen und einem freien Platz für die Kurzzeitpflege. Das ist eine schöne Abwechslung. Hier können Menschen mit Beeinträchtigung, die sonst bei Angehörigen wohnen, für einen bestimmten Zeitraum im Wohnheim aufgenommen werden, z.B. um Familien zu entlasten oder das Leben im Wohnheim auszuprobieren. Jeder hier ist anders, aber alle sind sehr nett.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Jon: „Wenn ich Frühschicht habe, beginne ich um sechs Uhr. Manche Bewohner*innen wie Helga oder Dennis sind dann schon wach. Nach der Übergabe bereiten wir das Frühstück vor. Bis sieben Uhr sind wir in der Küche fertig, und dann kommen alle nach und nach raus – Barbara, Hansi, Gabi…“
Jon beschreibt seinen Tag als abwechslungsreich: „Bis acht Uhr bin ich in der Gruppe, dann gehen einige zur Arbeit in die Wertachtal-Werkstätten. Mit den anderen, die nicht arbeiten, gehe ich in den Tagdienst. Dort machen wir Gymnastik, Musik, Basteln oder kochen gemeinsam. Ich lerne gerade, für so viele Menschen zu kochen. Das ist manchmal eine Herausforderung, aber es macht Spaß!“
Was war für dich am Anfang die größte Herausforderung?
Jon: „In Usbekistan gibt es kaum Wohnheime wie hier. Wenn Menschen alt werden, dann kümmert sich die Familie um sie – egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung. Deshalb war alles neu für mich. Ich hatte zwar vorher Kontakt zu Menschen mit Behinderung, aber nie beruflich mit ihnen gearbeitet oder Pflegeaufgaben übernommen. Das war am Anfang schon etwas herausfordernd.“
Was gefällt dir besonders an deiner Arbeit?
Jon: „Dass jeder Tag anders ist und das Team ist einfach toll! Ich fühle mich fast wie zu Hause. Wenn ich Fragen habe oder etwas nicht verstehe, helfen mir alle sofort.“
Wie blickst du in die Zukunft?
Jon: „Ich möchte gerne in Deutschland bleiben und eine Ausbildung machen. Der Weg hierher war nicht einfach, aber es hat sich gelohnt. Es ist ein echter Traumjob, den ich hier habe.“
Was machst du in deiner Freizeit?
Jon: „Wenn ich frei habe, fahre ich oft nach Füssen. Die Berge und die Landschaft dort sind wunderschön! Oder ich gehe mit meinen Mitbewohner*innen spazieren. Und ich lerne weiter Deutsch: Die Stadt Kaufbeuren bietet einen Kurs an, den ich besuche. Außerdem möchte ich mich bei Elisabeth May-Khalifa, unserer Koordinatorin, bedanken – sie unterstützt uns immer großartig und steht uns mit Rat und Tat zur Seite!“
Was würdest du anderen raten, die über einen BFD nachdenken?
Jon (nachdenklich): „Einfach machen! Ja, am Anfang ist alles neu und vielleicht ein bisschen schwer. Aber wenn man offen ist und Hilfe annimmt, wird es schnell besser. Ich habe hier nicht nur eine Arbeit gefunden. Ich fühle mich hier inzwischen richtig zuhause.“
Vielen Dank, Jon, für dieses inspirierende Gespräch! Wir wünschen dir weiterhin viel Freude und Erfolg in deiner Arbeit und hoffen, dass dein Traum von einer Ausbildung in Deutschland in Erfüllung geht!

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