Stefan Welt auf dem Weg zu den Special Olympics Welt-Spielen

Ein sonniger Wintertag in Pfronten. In einer idyllischen Wohngegend, umrahmt von majestätischen Bergen, liegt das Zuhause von Stefan Welt. Schon in der Einfahrt werden wir von ihm begrüßt – gut gelaunt bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen: den Garten und das Umfeld des Hauses in Schuss zu halten. „Unser Hausmeister”, schmunzelt seine Familie liebevoll. Doch seine größte Leidenschaft gilt dem Sport und dabei besonders dem Wintersport: Denn der 27-Jährige ist begeisterter Skifahrer und steht vor der größten sportlichen Herausforderung seines Lebens.
Im März 2025 geht es für ihn zu den Special Olympics Weltspielen nach Turin, dem größten inklusiven Sportevent der Welt für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Hier wird er im Slalom und Riesenslalom gegen Sportler*innen aus aller Welt antreten. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren: Bald steht ein Trainingswochenende im Schwarzwald mit Special Olympics Deutschland (SOD) Skitrainerin Laura Grünberg an. Die Trainings des deutschen Kaders sind in Wochenendblöcken organisiert, um die optimale Verbindung von Sport und Alltag sicherzustellen. In seiner Heimat zu trainieren, ist für Stefan nämlich nicht immer einfach – der Massentourismus in den Skigebieten erschwert das Training auf den lokalen Pisten.
Die Vorbereitung auf das sportliche Großereignis ist intensiv. Gemeinsam mit seiner Mutter Elke geht Stefan zweimal die Woche laufen. Meist sind das Läufe über 10 Kilometer, in die nach Anweisung von Trainer Wilfried Negele noch verschiedene Steigerungen und Bergaufläufe eingebaut werden. „Dann laufe ich vor und Stefan muss mich einholen, er überholt mich sonst direkt“, lacht Elke Welt, denn Stefan ist ein echtes Multitalent. Im Sommer nimmt er an regulären Stadtläufen in der Region teil und erringt dort regelmäßig gute Platzierungen und seit Kurzem trainiert er auch für Triathlons. Im letzten Jahr ging er z.B. bei der European Triathlon Competition im Slowakischen Šamorín an den Start. Dafür trainiert er auch einmal die Woche mit seiner Schwester Michaela das Schwimmen im nahegelegenen ABC-Bad in Nesselwang. Zusätzlich unternimmt Familie Welt gemeinsam Radelausflüge. Der größte Spaß dabei für Stefan: „E-Bikes überholen!“ Die nächste Triathlon-Saison kann also kommen.

Seit 2017 fördert die Sportabteilung der Lebenshilfe Stefans sportliche Entwicklung. Sein Einstieg war dort das Klettern mit Trainer Markus Reichart. Seitdem ist es eine echte Erfolgsgeschichte: Gold und Bronze bei den Nationalen Spielen 2024 in Oberhof, dann die Qualifizierung für Turin. „Worauf freust du dich am meisten bei den Weltspielen?“, wollten wir wissen. „Aufs Skifahren!“, antwortet Stefan, aber auch auf die Eröffnungsfeier und die gemeinsame Zeit mit dem Team. Angesichts der Größe dieses Sportevents, könnte man schonmal nervös werden. Doch Stefan scheint die Ruhe selbst. Aufregung vor Wettkämpfen ist nicht sein Ding. Die Freude am Sport überwiegt einfach und daher geht es dann meist schon, wenn es losgeht – egal, wie viele Starter*innen gerade neben ihm ins Wasser springen oder ob ein Countdown läuft.
In seinem Alltag arbeitet Stefan im Team des „Café Werkgeplauder“ in den Wertachtal-Werkstätten in Füssen. Dort bereiten ihm besonders das Kochen und Servieren Freude. Zuhause kocht er auch richtig gerne. Mit seinen Eltern, Elke und Peter, gibt es dann manchmal das absolute Leibgericht. Was das ist? „Spaghetti Bolognese“, schwärmt Stefan und ergänzt: „Kochen für alle“, das ist das beste Gericht.

Ein weiterer wichtiger Ausgleich ist das Musikmachen. Seit fünf Jahren geht es mittwochs nach Füssen in die Musikschule zum Schlagzeugunterricht und montags zum Proben mit der Werkstattband Werkton, in der Stefan für den stabilen Rhythmus sorgt. Von seinen musikalischen Fähigkeiten durften wir uns bei unserem Besuch live überzeugen, als Vater und Sohn im hauseigenen Bandkeller an Gitarre, Gesang und Schlagzeug so richtig loslegen. Dazu läuft buntes Discolicht. Der Energie dieser beiden Rocker kann man sich nur schwer entziehen.
Wenn es im März nach Turin geht, fiebert die Familie zuhause mit. Vielleicht gibt es sogar Fernsehberichte – ein Highlight für alle. Die Special Olympics erhalten zunehmend Aufmerksamkeit, doch sie stehen noch nicht auf einer Stufe mit den Paralympics. Stefan kümmert das wenig. Für ihn steht die Freude am Sport im Mittelpunkt. Und wer weiß, vielleicht bringt er bald eine neue Medaille mit nach Hause.
Wir drücken Stefan Welt fest die Daumen für die Weltspiele 2025!
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