Patricia – Große Balken und Maschinen in der Schreinerei

Juli 3, 2025 | Themen

Mit einem kräftigen Ruck öffnet sich das Rolltor der Schreinerei der Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf und Patricia Bayrhof (22) kommt mir entgegen. Voller Energie strahlt sie mich an: „Na dann wollen wir mal los!“, sagt sie und steuert ihren Rollstuhl in Richtung Besprechungsraum. Dort führen wir erst ein kurzes Interview, während dem wir aber schon bald merken, dass wir uns lieber an Patricias Einsatzort, der Schreinerei, weiter unterhalten wollen – so viele Maschinen und Gegenstände bevölkern ihre Erzählungen, dass es ohne Anschauungsmaterial schwer fällt, zu folgen.

Seit August 2024 arbeitet Patricia in der Schreinerei der Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf und fühlt sich dort richtig wohl. Zuvor war sie kurzzeitig in der Montagegruppe, aber da hat es für sie nicht gepasst. Sie wendete sich an ihre Gruppenleitung und den Sozialdienst und konnte über einen Versetzungsantrag innerhalb der Werkstatt die Stelle wechseln. „Warum gerade die Schreinerei?“, wollte ich von Patricia wissen. „Ich wollte einfach ein bisschen mehr Männer um mich haben“, war ihre direkte Antwort.

In der Schreinerei schätzt sie besonders, dass sie mit anpacken kann. Egal ob große Balken hobeln, Kanthölzer schleifen oder Paletten mit dem Brennstempel markieren. Dabei hat sie bei vielen Aufgaben ihre eigene Technik entwickelt: „Was andere mit Beinkraft machen, mach ich mit der Bauchkraft und wenn’s zu schwer wird, hol ich mir Hilfe.“ Das gilt zum Beispiel für die schweren Nagelpistolen, die von der Decke hängen.

Eine kurze, aber intensive Zeit mit den Athlet*innen aus Aruba
Ob Dicktenhobelmaschine oder Schleifgerät, ihre Aufgaben wechseln regelmäßig. Konzentration und Vorsicht sind gefragt, besonders am Brennstempel: „Da muss man höllisch aufpassen, sonst verbrennt man sich!“ Die Verständigung klappt trotz Maschinenlärm und der wichtigen, maßangefertigten Ohrstöpsel, zur Not durch Lippenlesen. „Manchmal müssen wir uns einfach ein bisschen anschreien“, sagt Patricia lachend. Sie wusste schon früh, dass sie in die Werkstatt möchte: „Und jetzt bin ich hier, wo ich immer hinwollte.“ Besonders gefallen ihr der Teamgeist und das soziale Miteinander im Werkstattalltag. Gerade bereitet sie Teile für Blumenbänke vor – eine Arbeit, auf die sie stolz ist. In der Schreinerei hat sie viel Neues gelernt, zum Beispiel den sicheren Umgang mit Maschinen: „Da kriegt man eine Einweisung von der Gruppenleitung.“ Und manchmal gilt eben: Nur gemeinsam geht’s – etwa bei langen Werkstücken. In den Wertachtal-Werkstätten finden wir für jede*n den passenden Arbeitsplatz – abgestimmt auf individuelle Stärken und Bedürfnisse. Praktika in anderen Bereichen, Angebote zur betrieblichen Inklusion oder ein Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sind möglich.

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