Enge Vernetzung auf dem Weg zur Einschulung

Feb 2, 2024 | Veranstaltungen

Fachaustausch zwischen Kita-Personal und Schulen in Marktoberdorf
Auf große Resonanz stieß das Netzwerktreffen zwischen Sonderpädagogischen Förderzentren und Kita-Fachpersonal aus dem südlichen Ostallgäu. Nach Marktoberdorf eingeladen hatte dazu das Team der Frühförderstelle und des Inklusionsfachdienstes der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren.

Welche sonderpädagogischen Förderzentren gibt es in der Region? Und welche Schwerpunkte werden an diesen Schulen angeboten, um Kinder mit einem besonderen Bedarf entsprechend zu fördern? Rund 80 pädagogische Kita-Fachkräfte mit dem Schwerpunkt Vorschule informierten sich beim Kooperationstreffen Schule-Kita-Inklusionsfachdienst Vorschule, das in der Don-Bosco-Schule in Marktoberdorf stattfand. Initiiert wurde der Fachaustausch durch den Inklusionsfachdienst Vorschule, einem Dienst der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren. Dieser berät und unterstützt das Team einer vorschulischen Kita bei seinem inklusiven/integrativen Förderauftrag. So wird das Wissen der Frühförderstellen und die kindbezogenen Bedarfe der jeweiligen Kita zusammengebracht. „Das Ziel unseres Netzwerktreffens ist die individuell passende Förderung von Vorschulkindern mit einem besonderen Bedürfnis. Dazu sind Vernetzung, Austausch und das Wissen über die Angebote entscheidend,“ beschreibt Sigrun Bögle, Leiterin der Frühförderstelle Marktoberdorf der Lebenshilfe zu Beginn. Am Treffen präsentierten sich vier regionale und überregionale Förderzentren mit ihren Angeboten.

Schulen präsentieren ihre Förderschwerpunkte

Heiner Tischer, Schulleiter der Don-Bosco-Schule Marktoberdorf, beschrieb den Förderschwerpunkt Lernen seines Förderzentrums. Dabei können die Kinder in kleineren Klassen den Lernstoff des Grundschullehrplans in drei anstatt von zwei Jahren absolvieren. „Der Faktor Zeit ist daher ein großer Vorteil an unserem Förderzentrum.“ Die Kinder können so sanfter in ihre schulische Laufbahn starten, eine Rückkehr an eine Regelschule sei zu verschiedenen Zeitpunkten möglich und wird gemeinsam mit den Eltern entschieden. Weitere Förderzentren mit demselben Schwerpunkt gibt es auch in Füssen und in Kaufbeuren. Kathrin Koch, Leiterin der zum Marktoberdorfer Förderzentrum gehörenden Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) beschrieb, wie Lernvoraussetzungen von Kindern im Vorschulalter durch intensive Förderungen altersgerecht entwickelt werden.

Intensive Gespräche zwischen Schulleitungen und Kita-Fachpersonal

Schulleiter Stefan Brückner von der Philipp-Neri-Schule in Kempten informierte über den Förderschwerpunkt der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern in seiner Einrichtung. 

Den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung stellte Claudia Fischer, stellvertretende Leiterin der Ludwig-Reinhard-Schule in Kaufbeuren, vor. Für den Unterricht dort werden die Lehrinhalte ganz individuell an das Lernniveau jedes einzelnen Kindes angepasst. Ein wichtiger Aspekt an ihrer Schule sei auch das Kontakteknüpfen untereinander: Kinder mit geistiger Beeinträchtigung können während der gemeinsamen Schuljahre feste und stabile Freundschaften aufbauen. An Regelschulen sei dies für Kinder mit einer geistigen Beeinträchtigung häufig schwierig oder nur im geringen Umfang möglich, so die Pädagogin. An der Ludwig-Reinhard-Schule ist ebenfalls eine SVE angegliedert und im Rahmen der Heilpädagogischen Tagesstätte sowie in der Versorgung mit Therapien gibt es eine enge Kooperation mit der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren.

Auch überregionale Angebote

Die Philipp-Neri-Schule in Kempten ist ein privates Förderzentrum mit den Schwerpunkten der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern. Durch intensive sonder- und heilpädagogische Förderungen können Kinder laut Schulleiter Stefan Brückner in etwa zwei bis drei Jahren zurück an die Regelschulen oder auf ihrem Weg zu einem Schulabschluss bestmöglich unterstützt werden. „Die Nachfrage nach einer Beschulung in dieser Art eines Förderzentrums steigt deutlich an,“ so Brückner. Die Philipp-Neri-Schule kooperiert sehr eng mit dem Josefinum in Kempten.

Ebenfalls privat gefördert ist die Astrid-Lindgren-Schule in Kempten, deren Förderschwerpunkt die körperliche und motorische Entwicklung bildet. Schulleiterin Heike Dunschen beschrieb, welche Modelle an der als Inklusionsschule zertifizierten Einrichtung unterrichtet werden. So findet zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule statt. Einen deutlichen Schwerpunkt setzt die Schule im Bereich der Therapieimmanenz. Therapien werden in den Unterrichtsalltag integriert und die Gestaltung von Lernprozessen als gemeinsame Aufgabe von Therpeut*innen und Pädag*innen gesehen. Dadurch steht die größtmögliche Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder im Fokus.

Zugangsvoraussetzungen anders als an Regelschulen

Als Zugangsvoraussetzung für alle präsentierten Förderzentren ist ein spezifischer Förderbedarf des Kindes nötig, der zum Schwerpunkt der Schule passt. Dieser Bedarf muss gutachterlich festgestellt und regelmäßig überprüft werden. „Somit hat nicht jedes Kind ein Recht auf eine Beschulung an einem Förderzentrum, im Gegensatz zu einer Regelschule,“ beschrieb Heiner Tischer. Heike Dunschen ergänzte, dass daher eine frühzeitige Anmeldung an Förderzentren zu empfehlen ist.

„Wir freuen uns sehr, dass das Netzwerktreffen so gut angenommen wurde. Das Wissen und der Austausch über die unterschiedlichen Schulangebote für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ist gerade für Fachkräfte im Vorschulbereich wichtig,“ summiert Frühförderstellen-Leiterin Sigrun Bögle die große Resonanz der Veranstaltung von Schulen und Fachkräften. 

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