16 Jahre Freundschaft mit Handwerk, Herz & Humor

Sep. 19, 2025 | Themen

Wenn man Josy und Martin zusammen erlebt, merkt man sofort: Hier sind zwei, die sich ohne viele Worte sehr gut verstehen. Seit mittlerweile 16 Jahren sind die beiden ein eingespieltes Team, egal ob beim Werkeln oder bei Ausflügen in die Umgebung. Kennengelernt haben sich Josy und Martin rund um das Wohnheim Alte Poststraße. Josef Filser-Dietz, genannt Josy, ist Schreinermeister und bei der Haustechnik der Lebenshilfe und der Wertachtal-Werkstätten tätig. Martin Wiedemann lebt seit 16 Jahren im Wohnheim Alte Poststraße und arbeitet in den Wertachtal-Werkstätten in einer Montagegruppe. Aufgrund der räumlichen Nähe der Haustechnik-Zentrale und des Wohnheims, haben die beiden sich damals kennengelernt. Josy erinnert sich: „Wir haben uns irgendwann als Martin eingezogen ist, kennengelernt. Sind uns da über den Weg gelaufen und haben gegenseitig Sympathie entwickelt. Dann hab ich angefangen, mit dem Martin kleine Einkaufstouren zu machen oder Werkzeug gekauft. Er hat relativ schnell so eine alte Hütte im Garten gekriegt und jeden Tag, wenn er aus der Werkstatt nach Hause kommt, dann läuft er gleich raus, geht in seine Hütte und sägt Holz ab.“

Die Hütte im Garten

Die Hütte ist ein Geschenk von Martins Schwester, die seine handwerkliche Leidenschaft seit vielen Jahren großzügig unterstützt. Darin hat er seine Werkbank, einen Schraubstock und kann hier seine große Leidenschaft ausleben: „Sägen. Da!“, sagt er und zeigt mit einer klaren Geste nach draußen. Fehlt einmal geeignetes Holz, geraten auch schon mal alte Eimer oder Kübel unter seine Säge – ein unmissverständlicher Vorschlag an Josy, doch mal wieder gemeinsam zum Wertstoffhof zu fahren. Inzwischen ist die Hütte etwas in die Jahre gekommen. Daher steht als nächstes Projekt der beiden an, die alte Hütte im Garten ab- und eine neue aufzubauen, worauf sich die beiden schon sehr freuen.
Eine kurze, aber intensive Zeit mit den Athlet*innen aus Aruba

Alltag mit Struktur und besonderen Abwechslungen

Der Alltag in Werkstatt und Wohnheim gibt Martin Struktur und Sicherheit. Doch manchmal darf es auch ein bisschen Abwechslung sein. So sind die gemeinsamen Ausflüge entstanden. Am liebsten in den nahegelegenen Baumarkt, denn die jahrelange Erfahrung zeigt: Große Entfernungen oder zu unübersichtliche Orte überfordern Martin eher. Ein Versuch, einen Holzhändler in Kempten zu besuchen, stellte sich als keine so gute Idee heraus: „Da mein ich immer, ich tu was Gutes und Martin braucht aber einen kleineren Rahmen“, erzählt Josy. So lernen die beiden mit jedem Ausflug miteinander, was funktioniert und was nicht.

Ein starkes Team

Neben den Ausflügen packt Martin überall rund ums Wohnheim mit an: Er fegt für sein Leben gern, sammelt Laub, hilft beim Aufräumen und sortiert Holz, das Josy für andere Projekte nutzen kann. Ein besonderes Highlight ist das gemeinsame Arbeiten an der Bandsäge – Josy sägt, Martin stapelt und räumt auf. Denn Ordnung muss sein und dafür hat er einen besonderen Blick. Ihre Zusammenarbeit geht dabei weit über reines Handwerk hinaus. „Wir lernen ständig voneinander und passen uns an neue Umstände an“, sagt Josy. Martin bringt viel Neugier mit und hat keine Scheu, auf Menschen zuzugehen – Eigenschaften, die den Grundstein ihrer Freundschaft gelegt haben. Dass das Lager der Haustechnik direkt neben dem Wohnheim liegt, war ein Glücksfall. Ohne diese räumliche Nähe hätten sich die beiden vielleicht nie getroffen. Natürlich gibt es auch mal herausfordernde Tage, denn Martin hat seinen eigenen Kopf. Doch genau darin liegt auch der Reiz ihrer Freundschaft: sich immer wieder neu aufeinander einzulassen.

Es braucht nicht viel

Für Josy ist die Arbeit bei der Lebenshilfe besonders, weil sie so viele Berührungspunkte mit Menschen mit Beeinträchtigung ermöglicht. Ob kleine Einkaufstour, Pizzaessen mit anderen Bewohner*innen oder einfach nur eine Fahrt zum Wertstoffhof. „Highlights sind immer, wenn wir mit dem Bus wegfahren – nicht zu weit weg – einfach mal raus aus dem Alltag. Es braucht gar nicht viel“, sagt Josy. 16 Jahre gemeinsame Wege, unzählige gesägte Holzstücke, viele Stunden im Baumarkt und im Garten und immer wieder Momente, in denen beide voneinander lernen. Ihre Geschichte ist ein tolles Beispiel dafür, wie Teilhabe ganz selbstverständlich gelingen kann. Wenn Menschen einander auf Augenhöhe begegnen und das, was sie verbindet, einfach leben. Wir wünschen den beiden, dass sie noch möglichst lange den Alltag des jeweils anderen bereichern werden.

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