124 Jubilar*innen geehrt

V.l.n.r.: Manuel Hagemann, Tobias H. und Gabriele Sandler. Drei langjährige Mitarbeitende, die stellvertretend für die Vielfalt und das persönliche Engagement einer großen Zahl von Jubilar*innen stehen, die die Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren und die Wertachtal-Werkstätten im vegangenen Jahr ehren konnten.
Im vergangenen Jahr konnten zahlreiche langjährige Mitarbeiter*innen und Beschäftigte der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren und der Wertachtal-Werkstätten ein Jubiläum feiern. Drei von ihnen haben wir anlässlich ihrer Feierstunde interviewt. Sie stehen exemplarisch für die vielen engagierten Menschen, die unsere Arbeit mitunter seit Jahrzehnten prägen:
Ein Berufsweg mit Eigeninitiative, Mut und Herz
Als ich die Räume der Hausverwaltung Oswald in Buchloe betrete und mich am Empfang nach Tobias Henkel erkundige, ruft der Mitarbeiter gut gelaunt in den Raum: „Hat jemand den Tobias heute schon gesehen?“ Mehrere der Angestellten schmunzeln und mir wird klar: Tobias steht direkt vor mir. Ein kleiner Scherz, der sofort das lockere Arbeitsklima vor Ort spürbar werden lässt.
Tobias arbeitete ursprünglich als Dachdecker. Nach einem Unfall konnte er seinen gelernten Beruf körperlich nicht mehr ausüben. Vor 20 Jahren kam er deshalb zu den Wertachtal-Werkstätten. Dort wurden ihm andere Möglichkeiten geboten und sich auch um einen Außenarbeitsplatz bemüht. Doch Tobias wollte mehr: Abwechslung, Verantwortung und vor allem Austausch mit anderen Menschen.
Mit viel Eigeninitiative suchte er gezielt nach Arbeitsplätzen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – etwas, das zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich war – und probierte verschiedene Bürotätigkeiten aus. Über einen Bekannten wurde er schließlich auf seine heutige Stelle aufmerksam. Seit fast drei Jahren ist Tobias nun Teil des Teams. Er betreut das Telefon, ist zentrale Anlaufstelle bei Wasserschäden und koordiniert Kontakte zwischen Mietenden, Versicherungen und Expert*innen. Genau diese Vielfalt und der tägliche Kontakt mit unterschiedlichen Menschen machen ihm große Freude. „Früher war ich Dachdecker – da hatte ich den ganzen Tag mit Menschen zu tun. Heute ist das wieder so“, sagt er schmunzelnd.
Tobias’ Wunsch ist es, dauerhaft Teil dieses Teams zu bleiben. Dabei wird er weiterhin von den Job Coaches der Wertachtal-Werkstätten begleitet, die bei Fragen zur Seite stehen und in Jahresgesprächen gemeinsam prüfen, ob alles auch weiterhin gut passt. Sein besonderer Dank gilt vor allem Andi und dem gesamten Team der Hausverwaltung Oswald in Buchloe.
Entwicklung ermöglichen und Perspektiven schaffen
Manuel Hagemann feierte im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Jubiläum bei den Wertachtal-Werkstätten und blickt zugleich auf insgesamt fast 20 Jahre Werkstatterfahrung zurück. Er fand damals über einen Quereinstieg in den sozialen Bereich: fachlich ausgebildet im Handwerk, als Elektroinstallateur, begann er nach einer sozialpädagogischen Zusatzausbildung im Gruppendienst der Unterallgäuer Werkstätten. Das soziale Arbeitsfeld faszinierte ihn, heute sagt er: „Es war keine bewusste Entscheidung, aber eine, die ich nie bereut habe.“
Der Wunsch nach einer neuen Herausforderung führte ihn schließlich zu den Wertachtal-Werkstätten in die P-Werkstatt (Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung) nach Neugablonz. Dort baute er über zehn Jahre hinweg den Berufsbildungsbereich (BBB) mit auf, engagierte sich als Betriebsrat und ist als übergreifender Teamleiter des Standortes tätig. Nun übernimmt Manuel eine neue Aufgabe als Gruppenleiter der Wäscherei. Ein stark gewachsener Bereich, dessen Entwicklung er bereits beim Umzug in die Neugablonzer Darrestraße intensiv mitgestaltet hat. Modernste Technik wie eine automatische Waschmittel-Abfüllanlage unterstützt die professionelle Arbeit. „Wir können hier ein richtig guter Dienstleister sein“, sagt er. „Die Auftragslage ist stabil, neue Kund*innen kommen hinzu.“
Besonders berührt ihn, dass viele Beschäftigte der Wäscherei früher bei ihm im BBB waren. „Haben Sie Sehnsucht nach uns?“, wird er gefragt. Für Manuel sind das Begegnungen, die bleiben: Entwicklung mitzuerleben und nun selbst von den Beschäftigten in ihrem Fachbereich zu lernen, empfindet er als großes Geschenk.
Eine eigene Stimme finden
Auf dem Papier feierte Gabi Sandler im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum bei der Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren. Tatsächlich begann ihr Weg hier bereits 1988, als sie als allererste Logopädin des Vereins eingestellt wurde. Als sie 2005 nach der Familienzeit zur Lebenshilfe zurückkehrte, hatte sich der Verein deutlich weiterentwickelt: Inzwischen gab es eine eigene Therapieabteilung, vielfältige Einrichtungen und neue Arbeitsfelder. Heute ist sie zwischen Tages- und Förderstätte, Werkstatt und Therapiehaus unterwegs. So begegnet sie Menschen mit Beeinträchtigung in unterschiedlichsten Lebensphasen und mit verschiedensten Entwicklungsständen.
Ein besonderer Schwerpunkt ihres Engagements liegt in der „Unterstützten Kommunikation“. In der „Talker“-Gruppe begleitet sie Menschen, die sich nicht lautsprachlich ausdrücken können, mithilfe technischer Hilfsmittel „hörbar“ zu werden, sich mitzuteilen und so wirksam zu sein. Diese Selbstwirksamkeit zu fördern, ist für sie ein zentrales Anliegen. Entsprechend engagiert sie sich seit 2017 im Arbeitskreis „Unterstützte Kommunikation“, der wichtige Impulse für alle Einrichtungen der Lebenshilfe setzt und es sich zum Ziel gemacht hat, individuelle Kommunikationsmöglichkeiten für alle zu eröffnen.
Für die Zukunft der Lebenshilfe wünscht sich Gabi, dass der große Erfahrungsschatz der vielen langjährigen Mitarbeiter*innen bewahrt und weitergegeben wird. „Unsere Arbeit lebt von Entwicklung, Beziehung und Vertrauen. Das braucht Zeit. Nur so entstehen stabile Bindungen und genau diese bilden die Grundlage für nachhaltige, gelingende Begleitung. Das ist eine große Stärke der Lebenshilfe und der Wertachtal-Werkstätten“, so die langjährige Mitarbeiterin.
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